Das Winterkirchel: Von Erfweiler auf steilen Pfaden zur Himmelspforte

Eine Himmelspforte sucht man nicht im Tal. Auch die Kapelle „Maria Himmelspforte“ im Wasgau ist nur auf steilen Pfaden zu erreichen. 365 Meter hoch liegt sie auf einem Bergrücken zwischen Erfweiler und Hauenstein – hundert Meter unter dem Gipfel des Winterbergs, von dem sich der gängigere Namen „Winterkirchel“ ableitet.

Noch keine 70 Jahre alt ist der heutige Bau, doch gab es hier schon in älterer Zeit eine Verehrungsstätte der „Gottesmutter vom Winterkirchel“. In seinem Büchlein „Kapellen im Bistum Speyer“ berichtet Fred Weinmann: „Noch im Jahr 1948 stand man hier vor den moosüberzogenen, verwitterten Mauerresten einer Kapelle etwa von der Größe eines Wohnraums. Der steinerne Fensterbogen dieser Ruine behütete ein verblichenes Madonnenbild.“ Offensichtlich stammte das alte Gemäuer aus dem Jahr 1748. Darauf verweist ein erhaltener Schlussstein, der in den neuen Bau eingefügt wurde. Aber schon 1789 wurde dieses Kirchlein zerstört und abgetragen, wie ein Vermerk in der Kirchenrechnung der Pfarrei Dahn belegt.

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte blieb das Winterkirchel eine Trümmerstätte, bis in den Weltkriegen Soldaten aus Erfweiler für glückliche Heimkehr den Wiederaufbau gelobten. 1948 löste Pfarrer Eugen Barudio mit der Dorfgemeinschaft das Gelöbnis ein – finanziell unterstützt von den Nachbargemeinden. Damals führte am Winterkirchel der Alte Schuhfabrikweg nach Hauenstein vorbei. Tag für Tag schleppten mehr als 200 Frauen und Männer aus Erfweiler,  unterwegs zur Arbeit in die Schuhfabriken, das Baumaterial zum steilen Bergsattel hoch. So konnte schon im Sommer 1949 der Bau vollendet werden. Am Vortag des Festes Mariä Himmelfahrt weihte Bischof Joseph Wendel die neue Kapelle auf den Titel „Maria Himmelspforte“ – eine Anrufung, die der Lauretanischen Litanei entstammt.

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Station des Rosenkranzweges: Jesus stirbt am Kreuz

Wer heute von Erfweiler aus zur „Gottesmutter vom Winterkirchel“ hochsteigt, kann einem eindrucksvollen künstlerischen Stationenweg folgen. Denn von Anfang an waren die Prozessionen zur Kapelle mit dem Rosenkranzgebet verknüpft. So entstand die Idee, den Weg mit Bildstelen zu den „Rosenkranzgeheimnissen“ (Gebetsanrufungen, die sich auf das Leben und Wirken Jesu beziehen) zu säumen. Der Bildhauer Karl Heinrich Emanuel, der auch das Otto-Portal am Speyerer Dom fertigte, schuf bis 1955 auf fast mannshohen Sandsteinblöcken die Reliefs zum freudenreichen Rosenkranz. Sie haben die Kindheitsgeschichte Jesu zum Thema. Die weiteren Stationen zum schmerzensreichen und glorreichen Rosenkranz, die an das Leiden und die Auferstehung Jesu erinnern, ergänzte 1984 der Künstler Heinz Siebert.

Oben auf dem von hohen Waldbäumen umstandenen Bergsattel empfängt den Wanderer die erstaunlich weiträumige Kapelle, die aus einer nach drei Seiten offenen Vorhalle und einem halbkreisförmigen Chorraum besteht. Acht Sandsteinsäulen tragen das mächtige Walmdach mit seinem imposanten offenen Dachstuhl, in dem zwei kleine Glocken hängen. Den spitzen achteckigen Dachreiter bekrönt als Wetterfahne ein zum Gericht blasender Posaunenengel. Er ist aus dem Stahlblech eines alten Wehrmachtsautos gefertigt.

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Innen laden Kirchenbänke zur Rast und zur stillen Betrachtung ein. Hinter dem schmiedeeisernen Gitter, das die Vorhalle vom Chor trennt, thront über dem Altar königlich erhaben die Figur der gekrönten Gottesmutter mit dem Kind. Viel bewegter, ja schwungvoll dagegen die Verkündigungsszene auf der Vorderseite des Altartischs. Reicher Blumenschmuck zeugt von liebevoller Verehrung, brennende Kerzen erzählen von all den Bitt- und Dankgebeten, die hier zur Himmelspforte geschickt werden. Und von froh gelaunten Wanderern in Schwung gebracht, tönt immer wieder der helle Klang der Glöckchen durch die Gipfel der Bäume.

Der Weg

Ausgangspunkt der Wanderung ist die kleine Wegkapelle am nordöstlichen Ortsausgang von Erfweiler. Man erreicht sie, indem man in der Dorfmitte rechts abbiegt und an der Kirche vorbei durch die  Winterbergstraße bis zu den Vereinsheimen fährt, wo man auch parken kann. Das Kapellchen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wie das Winterkirchel aufgrund eines Gelübdes gebaut. Sein Inneres schmückt ein großes Wandbild, das mit der Verkündigung des Engels an Maria den ersten Gebetsruf des freudenreichen Rosenkranzes aufgreift. Eine Holztafel vor der Kapelle weist den Weg zum Winterkirchel. Gemächlich führt er durch den idyllischen, von Sandsteintürmen flankierten Talgrund, begleitet von vier Bildstelen mit den weiteren Szenen der Kindheitsgeschichte Jesu. Nach fünfhundert Metern gabelt sich an einem Steinkreuz der Weg. Wir folgen nach links den Schildern „Winterkirchel“ und „Alter Schuhfabrik-Arbeiterweg“ – nun schon die Bilder zum schmerzensreichen Rosenkranz  an der Seite.  Auch bei einer erneuten Verzweigung am Talschluss halten wir uns links. Beim Motiv des kreuztragenden Jesus wird der Weg schmäler. Markiert mit den Nummern 5,6, 7 und an den Stationen des glorreichen Rosenkranzes vorbei, steigt er durch den linken Hang der Waldschlucht hoch zu unserm ersten Ziel – dem Winterkirchel.

Von der Kapelle aus setzen wir die Wanderung, dem gelben Punkt und der grün-weißen Welle des Pfälzer Waldpfades folgend, zum „Wanderheim Dicke Eiche“ fort. Der 1,6 Kilometer lange Weg führt nach einer kurzen Steigung auf etwa 400 Metern Höhe um den Talkessel mit der Queichquelle herum. An einer Stelle gibt er einen wunderschönen Ausblick auf den Talgrund und die gegenüberliegenden Waldhänge mit ihren kühnen Felsformationen frei. Bei einer Wegespinne treffen wir auf ein über dreihundert Jahre altes Naturdenkmal, die mittlerweile umgestürzte „Dicke Eiche“. Nun sind es nur noch wenige hundert Meter auf dem Fahrweg bis zur gastlichen Hütte des Pfälzerwaldvereins, die von dem Baumkoloss ihren Namen hat.

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Blick auf Erfweiler

Nach der verdienten Einkehr steuern wir einen weiteren Aussichtspunkt, den „Hegerturmblick“ an. Dazu folgt man von der Hütte aus zunächst wieder eine kurze Strecke dem gelben Punk bis zu einer Wegespinne. Hier schlagen wir, einem Holzschild folgend, den Weg nach Erfweiler ein, der nach 50 Metern als „Sommerhalder Pfad“ (Nummer 65) den Hang hinab zu einem weiteren Forstweg führt. Auf diesem Weg mit der Nummer 58 bleiben wir, auch wo  er sich vom Sommerhalder Pfad wieder trennt. Nach etwas mehr als einem Kilometer zweigt am Rettungspunkt 395 in einer scharfen Biegung ein unscheinbares Pfädchen zu einem Felsvorsprung mit einer Ruhebank ab – unser Aussichtspunkt. Er eröffnet einen prächtigen Blick auf den darunter liegenden Felsturm und über Erfweiler hinweg zu den Altdahner Burgen und dem Hohen Eyberg am Horizont. Zurück auf dem Weg Nummer 58 umrunden wir weiter den Sorgenberg, bis er auf den Wanderweg mit der grün-blauen Markierung trifft. Auf diesem abwärts, gelangen wir nach einem Kilometer bei dem Wegkreuz wieder ins Tal,  wo uns der „Rosenkranzweg“ in wenigen Minuten zum Ausgangspunkt zurückführt.

Kartenansicht der Wegstrecke

Karte

Hinweise:

Gesamtwegstrecke:
Knapp 9 Kilometer.

Einkehrmöglichkeiten:
Öffnungszeiten des Wanderheims Dicke Eiche: samstags und sonntags, im Sommerhalbjahr auch mittwochs (http://pw.pfaelzerwaldverein-hauenstein.de/wanderheim/).

Weitere Hinweise:
An jedem 13. eines Monats – auch im Winter – findet vom Ortsausgang von Erfweiler aus eine Rosenkranz-Prozession zur Kapelle Maria Himmelspforte statt (jeweils um 14.15). Das Hauptwallfahrtsfest wird an Mariä Himmelfahrt, 15. August, gefeiert.

Download der Druckfassung (PDF)

Download der kompletten Serie (EPUB-Format) / (AZW3-Format)

©  Text und Fotos: Richard Schultz

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