Glaubenszeugnis an uralten Höhenwegen: Das Lambertskreuz nördlich von Lambrecht

„In der Pfalz begegnen wir nur noch selten dem alten niedrigen Steinkreuz, das in vielen anderen Landschaften weit verbreitet ist. Verwittert und von Narben bedeckt steht es am Wegrand, grob und ungefüg im Wingert, einsam und vergessen im Wald. In seiner schlichten Form mahnt es an die Vergänglichkeit alles Irdischen.“ So beginnt der 1991 verstorbene Heimatforscher Fred Weinmann eine seiner Abhandlungen über die Steinkreuze in der Pfalz.

Eines dieser raren Kultmale kam erst 1905 auf dem Höhenzug nördlich von Lambrecht wieder ans Tageslicht, als Mitglieder der örtlichen Pfälzerwaldvereinsgruppe bei Vorarbeiten zum Bau einer Wanderhütte ein zerbrochenes Steinkreuz ausgruben: das Lambertskreuz. Wieder zusammengefügt, steht es seitdem an seinem alten Platz, auf einer Felsplatte am Kreuzungspunkt uralter und einst viel begangener Höhenwege. Wie Grabungen belegen, trafen an dieser Stelle bereits zwei Römerstraßen zusammen, die von Bad Dürkheim und Deidesheim kamen und nach Johanniskreuz weiterführten. Zu ihrer Sicherung hatten die Römer auf dem kaum einen Kilometer entfernten Drachenfels eine Bergfestung angelegt, von der noch heute Reste erkennbar sind. Auch Scherben und Münzen aus dieser Zeit kamen hier zutage und sogar noch ältere Funde. Das spricht dafür, dass die Höhenwege schon vor den Römern genutzt wurden.

Das „St. Lamprechts Kreuz“ selbst wird erstmals 1281 in einer Urkunde der Abtei Limburg erwähnt, in der es um die Holzrechte des Klosters Seebach geht. Doch muss das knapp ein Meter hohe Sandsteinmal um vieles älter sein, die starke Verwitterung legt Zeugnis davon ab. Ob es schon, wie eine Überlieferung will, in später römischer Zeit seine Aufstellung fand, lässt sich kaum mehr klären. Es bleibt aber eines der ältesten, wenn nicht das älteste Denkmal dieser Art in der Pfalz. Spätestens ist es mit dem einstigen Benediktinerkloster Lambrecht in Verbindung zu bringen, das der Saliergraf Otto von Worms im Jahr 977 – also noch vor der ersten Jahrtausendwende – „in Liebe zu dem höchsten König und dem hl. Martyrer Lambertus“ stiftete. Sein Patron, der heilige Lambert, lebte in merowingischer Zeit. Seit 670 war er Bischof von Maastricht, in Nachfolge seines ermordeten Onkels Theodard. Weil er gegenüber der Staatsgewalt konsequent die Rechte der Kirche verteidigte, wurde auch er im Jahr 705 umgebracht. Seine Verehrung verbreitete sich bald im ganzen fränkischen Reich. Ihm verdankt unser Kreuz also seinen Namen.

Über seine Bedeutung aber verrät es weiter nichts. Bis vor einigen Jahrzehnten sollen darauf ein Abtsstab und das Christusmonogramm IHS deutlich erkennbar gewesen sein. War es also ein Grenzzeichen für den Besitz des nahegelegenen Klosters? War es, um eine alte Sage aufzugreifen, ein Sühnekreuz für den Mord an einem frommen Klosterbruder, der hier dann sein Grab fand? Oder ist es ein uraltes Wegkreuz, ein Zeugnis für den Glauben unserer Vorfahren, die sich vom Kreuz Segen und Schutz auf ihrer Reise erhofften? Die Frage mag getrost offen bleiben. Alle aber, die heute diesen nur für Wanderer erreichbaren Platz aufsuchen, lädt es ein, inmitten herrlicher Natur für die Schöpfung und das Leben zu danken. Und alle Mühen des Weges lohnt die gleich daneben stehende gastliche Wanderhütte.

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Der Weg

Es empfiehlt sich, die Tour zum Lambertskreuz mit einer Besteigung des 570 Meter hohen Drachenfelses zu verbinden. Als Ausgangspunkt für die Wanderung wählen wir deshalb den Parkplatz im Isenachtal an der Abzweigung zum „Saupferch“ direkt hinter der kleinen Siedlung „Am Wolfental“ (B 37 von Bad Dürkheim nach Frankenstein). Hier gibt es zudem eine Bushaltestelle des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (Hardenburg – Abzweigung Saupferch). Man folgt dem blau-rot markierten Wanderweg nach Süden und kommt so nach 1800 Metern zum Waldparkplatz „Saupferch“. (Dieser ist über ein sehr schmales Sträßchen auch mit dem Auto zu erreichen.) Am gleichnamigen Waldgasthaus vorbei führt der (weiterhin blau-rot markierte) Weg leicht steigend durch das enge Tälchen, bis er sich bei einer Verzweigung nach ungefähr 1,8 Kilometern mit dem bisher parallel verlaufenden Forststräßchen vereint. Bei einer weiteren Gabelung zweigt mit gleichbleibender Markierung ein etwas holpriger Pfad ab, der sich zuletzt im Zickzack zum 462 Meter hohen Lambertskreuz, unserem ersten Ziel, hochzieht.

Um vom Lambertskreuz zum Drachenfels zu kommen, folgen wir auf bequemem Waldweg der blau-weißen Markierung Richtung „Friedrichsbrunnen“ bis zum Kreuzungspunkt „Sieben Wege“. Ein mit blauem Rechteck gekennzeichneter Weg führt hier in leichter Steigung nach Norden direkt an den Fuß des Drachenfelses und dann – nun wieder als Pfad – durch den Osthang hoch in eine kleine Senke zwischen den beiden Gipfeln des Massivs. Der Südfels gewährt einen sehr schönen Ausblick vom Weinbiet über die Kalmit bis zu den Wasgaubergen. Unter dem Felsen befinden sich auch zwei natürliche Höhlungen – die Drachenkammer und die Drachenhöhle; sie sind über  gesicherte Felssteige zu erreichen. Der kanzelförmige Westgipfel eröffnet eine noch umfassendere Aussicht: Sie reicht vom Wasgau im Süden über die Höhenzüge bei Johanniskreuz bis zum Donnersberg im Norden. Vom Westgipfel aus führt ein etwas mehr als zwei Kilometer langer, weiterhin blau markierter Pfad wieder direkt zum Saupferch hinab.

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Rast auf dem Drachenfels

Kartenansicht der Wegstrecke

Karte

Hinweise

Gesamtwegstrecke:
Geht man von der Bundesstraße aus, beträgt die Wegstrecke etwa 14 Kilometer.
Vom Saupferch zum Lambertskreuz sind es vier Kilometer und von dort über den Drachenfels zum Saupferch zurück etwa sechseinhalb Kilometer. Nicht viel weiter sind die Wege zum Lambertskreuz, wenn man die  Straße Lindenberg – Bad Dürkheim (Forsthäuser Silbertal und Rotsteig) oder Lambrecht bzw. Neidenfels zum Ausgangspunkt nimmt.

Einkehrmöglichkeiten:
Öffnungszeiten des Waldhauses Lambertskreuz: täglich von 10 bis 18 Uhr, außer montags. Falls ein Feiertag auf den Montag fällt, ist dienstags geschlossen (http://www.lambertskreuz.eu/);
Öffnungszeiten der Waldgaststätte Zum Saupferch: Juni bis Oktober dienstags bis sonntags; ab November Mittwochs bis Sonntags (http://saupferch.de/).

Download der Druckfassung (PDF)

Download der kompletten Serie (EPUB-Format) / (AZW3-Format)

©  Text und Fotos: Richard Schultz

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