In Todesnot dem Namenspatron gelobt: Die St. Georgskapelle bei Gossersweiler

Nur wenige historische Ereignisse haben sich tiefer ins Bewusstsein der Pfälzer eingegraben, als der Pfälzische Erbfolgekrieg. 1685 war Karl II., Kurfürst von der Pfalz, kinderlos gestorben: Anlass für den französischen König Ludwig XIV., im Namen seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz, der Schwester Karls, das Erbe einzufordern – gegen deren Wille und gegen alle Absprachen. Ein ganzes Jahrzehnt lang überzog der Sonnenkönig die Kurpfalz und weite Teile Europas mit einem verheerenden Krieg, um seine Ansprüche durchzusetzen. Als der Konflikt 1697 mit dem Frieden von Rijswijk endete, war das Gebiet die Pfalz systematisch verwüstet; Burgen und Schlösser waren niedergebrannt, Städte wie Speyer und Worms fast dem Erdboden gleichgemacht. Die Not hatte für die Pfälzer damit aber noch kein Ende. Kaum vier Jahre später brach ein neuer Krieg um die Nachfolge des letzten Habsburgers auf dem spanischen Thron aus, der die Pfalz wiederum länger als ein Jahrzehnt zu einem der Kampfschauplätze machte. Allein die damals französische Festung Landau wurde in dieser Zeit fünfmal belagert und wechselseitig eingenommen, zuletzt im Sommer 1713.

Von dieser europaweiten Auseinandersetzung zeugt bis heute ein unscheinbares Kapellchen auf der Anhöhe zwischen den südpfälzischen Dörfern Gossersweiler und Völkersweiler: Dicht am Waldrand gelegen, erhebt sich hier die Georgskapelle oder „Jergenkapelle“, erbaut in jener leidvollen Zeit von Georg Glaser aus Gossersweiler. Dieser war, wie Fred Weinmann in seinem Buch „Kapellen im Bistum Speyer“ berichtet,  bei der Belagerung von Landau im Jahr 1713 von einem plündernden Marodeur durch einen Stich schwer verletzt worden. In seiner Todesnot gelobte der Verwundete seinem Namenspatron, eine Kapelle zu bauen, falls er überlebe. Wie durch ein Wunder genesen, suchte er sein Gelübde zu erfüllen: 1722 erhielt er von der bischöflichen Behörde die Erlaubnis zum Bau, und schon ein Jahr später stand das Kirchlein auf dem Wingertsberg. Drei Morgen Acker hatte er für dessen Erhalt zur Verfügung gestellt, dazu stiftete er ein Messgewand und einen Kelch.

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Am Waldrand versteckt: Die Georgskapelle

Die Gläubigen der Umgebung nahmen das kleine Gotteshaus von Anfang an gerne an. Entlang der Kreuzwegstationen, mit deren Aufstellung schon der Erbauer begonnen hatte, pilgerte man an den Festen des heiligen Georg und der heiligen Anna zur Kapelle, um hier Gottesdienste zu feiern, und jeden Sonntagnachmittag wurde der Rosenkranz gebetet. Trotz der großen Armut in der Bevölkerung fanden sich immer wieder Stifter, die den kleinen Barockbau mit Zuwendungen bedachten: etwa für den bis heute erhaltenen Altar aus klassizistischer Zeit, oder für das Türmchen mit seiner kleinen Glocke aus dem 19. Jahrhundert. Einen beklagenswerten Verlust musste das Kapellchen im Jahr 1970 erleiden, als bei einem Einbruch die Altarfiguren, eine Gottesmutter und ein heiliger Georg, gestohlen wurden. Doch wenn es jetzt auch an künstlerisch wertvoller Ausstattung fehlt, zeugen das frisch renovierte Dach, der makellose Anstrich und die liebevoll gepflegte Anlage vom Stellenwert, den die St. Georgskapelle bis heute in den Herzen der Bevölkerung des Gossersweilerer Tals hat.

Der Weg

Die reizvolle Umgebung verlockt dazu, den Besuch der St. Georgskapelle mit einer Felsenwanderung zu verbinden, für die Völkersweiler der Ausgangspunkt ist. Auf der L 494 von  Landau oder Annweiler kommend, fährt man rechts in den Ort hinein und stellt das Auto „Am Volkerseck“ auf dem Parkstreifen (beim Feuerwehrhaus) ab. Auf der Hauptstraße gehen wir ein kurzes Stück nach Westen und zweigen dann in die Lindelbrunnstraße ab. Hier treffen wir auf den mit blauem Balken markierten Wanderweg, dem wir nach Westen zum Dorfende und weiter bis zum Waldrand und zu der Gaststätte „Reiterstube“ folgen. Nun wird es langsam sportlich: Nach weiteren 350 Metern, hinter einem Pferde-Dressurplatz und einer Wegkreuzung, zweigt linksseitig ein Pfad zu den Isselmannsteinen und zum Rötzenfels ab, markiert mit einer weiß-roten Welle. Er ist Teil des Buntsandstein-Höhenweges, der von Dimbach aus zu einer Reihe markanter Felsformationen führt. Steil geht es durch den Berghang hoch, doch lohnt schon der Ausblick von der ersten Felsnase der Isselmannsteine alle Mühe. Der Pfad läuft nun am Fuß der langgestreckten Felsenkette entlang, kreuzt einen Waldweg und steigt erneut an, hoch zum Rötzenberg. Oben weist ein Schild zum Rötzenfels, der in 450 Meter Höhe wie ein scharfgeschnittener Schiffsbug 50 Meter weit ins Tal vorspringt und atemberaubende Ausblicke in die Wasgaulandschaft gewährt. Wer schwindelfrei ist, kann bis zur Südost-Spitze vorgehen, von wo sich die umfassendste Aussicht bietet, die bis zum Trifels reicht.

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Wasgaublick vom Rötzenfels

Immer noch dem Felsenpfad nach geht es nun durch den Osthang des Rötzenberges hinunter in die Kehre eines Waldwegs, dem wir abwärts folgen, zunächst dem Schild „Sportplatz Gossersweiler“ nach.  An den zwei folgenden Weggabelungen halten wir uns rechts, bis der Weg auf ein  Betonsträßchen stößt (Lindelbrunnstraße), das nach links ins Dorf Gossersweiler führt. An der St. Cyriakus-Kirche vorbei durchquert man das Dorf bis zum östlichen Ortsrand mit der Tankstelle an der L 494. Hier halten wir uns links und treffen so nach 50 Metern auf die Einmündung der St. Georgs-Straße. Begleitet von den erst in jüngerer Zeit erneuerten Kreuzwegstationen, führt sie direkt zur Kapelle auf der Hügelkuppe hoch. Bereits nach wenigen hundert Metern leuchtet zwischen den Bäumen das von einem schlanken Dachreiter bekrönte Kirchlein hervor. Das schöne Steinkreuz im Blick, lässt sich auf der Sitzbank unter dem vorgezogenen Walmdach Atem schöpfen, bevor man ins Innere der Kapelle tritt.

Am Waldrand entlang bringt uns der Weg von der Kapelle dann wieder nach Völkersweiler zur Lindelbrunnstraße zurück. Dort nach rechts zum Auto.

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Kreuz vor Georgskapelle

Wer noch Zeit und Energie hat, kann die Wanderung mit einer Überschreitung des Eichelbergs südlich von Gossersweiler etwas ausweiten. Dazu fährt man von Völkersweiler auf der L 494 in südlicher Richtung bis zur Abzweigung mit dem Hinweisschild „Gossersweiler Friedhof“. Hier lässt sich das Auto entweder an der Infotafel rechts oder am Friedhof selbst abstellen. Nun folgt man zunächst neben der L 494 dem Fußgänger- und Fahrradweg Richtung Stein. Direkt auf der Kuppe zwischen den zwei Ortschaften zweigt rechts ein Pfad ab, der „Felsenweg“. Er führt den Waldhang hoch und mündet hinter einem Wasserbassin in einen Waldweg. Nach weiteren 200 Metern stehen wir vor einem mächtigen Felsturm, dem Krimhildenstein. Er ist nur Kletterern zugänglich, aber schon von seinem Fuß aus gewährt er einen wunderschönen Ausblick in den Wasgau, vor allem zur gegenüberliegenden Burg Lindelbrunn. Nur wenig weiter treffen wir auf den Weg, der zum 406 Meter hohen Eichelberg ansteigt. Oben weist das Felsweg-Schild zum Westende des Plateaus, wo ein Felsvorsprung erneut einen schönen Ausblick zur Burg Lindelbrunn und zum Rötzenfels freigibt. Nun im Zickzack steil den Hang hinunter zu einer Sitzgruppe, wo wir wieder dem Felsenweg-Schild nach links folgen. In einer Wegkehre biegt rechts ein Pfädchen zu einem tiefer gelegenen Rundweg ab. Von hier aus kann man noch die „Drei Felsen“ mit ihren Tischformationen besichtigen, oder dem Hinweisschild nach direkt zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Kartenansicht der Wegstrecke

Karte

Hinweise:

Gesamtwegstrecke:
In der kürzeren Variante etwa sechs Kilometer (allerdings mit einem langen und steilen Anstieg); mit Überschreitung des Eichelbergs etwa neun Kilometer.

Einkehrmöglichkeiten:
Siehe Gaststättenverzeichnis auf http://www.gossersweiler-stein.de/tourismus_gaststaetten.htm

Download der Druckfassung (PDF)

Download der kompletten Serie (EPUB-Format) / (AZW3-Format)

©  Text und Fotos: Richard Schultz

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