Den Vierzehn Nothelfern geweiht: die Klausenkapelle bei Königsbach

Nur wenig mehr als einen Kilometer hat sich das Zeiselbächlein bei Königsbach in den Haardtrand hineingeschnitten. So muss man auch nicht weit gehen, wenn man vom Ortsende aus die den Vierzehn Nothelfern geweihte „Klausenkapelle“ im engen Klausental besuchen will. An den gemauerten Bildhäuschen der 1871 entstandenen Kreuzweganlage vorbei, erreicht man schon nach 400 Metern den kleinen Talkessel, wo sich im Schatten hoher Kastanienbäume der langgestreckte Kapellenbau erhebt.

Aus der offenen Vorhalle, die dem Chor vorgebaut ist, leuchtet dem Wanderer eine schöne Kreuzigungsgruppe entgegen. Die Inschrift auf dem barocken Altartisch aus dem Jahr 1746  mahnt zum ersten Innehalten: „Steh still oh Mensch, schau Jesum an…“ Tritt man durch die Pforte an der Südseite ins Innere, findet man sich in einem einfachen Saal des 17. Jahrhunderts. Durch den gotischen Chorbogen geht der Blick in den Altarraum, der einen kleinen Kunstschatz birgt: Goldumglänzt grüßen vom Altarbild die Vierzehn Nothelfer, gruppiert um das auf einer Wolke thronende Jesuskind über ihren Häupter, im Vordergrund und etwas größer die drei heiligen Jungfrauen Katharina, Barbara und Margareta. Kein Geringer als Johannes Schraudolph hat das Bild geschaffen – zwischen 1846 und 1853, als er dem Speyerer Dom die nazarenische Ausmalung gab.

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Altarbild der Vierzehn Nothelfer

Die Klausenkapelle ist sehr alt. Urkundlich bezeugt sind Privilegien, die ihr Papst Clemens VI. im Jahr 1351 gewährte. Damals war das Gotteshaus noch eine Corpus-Christi-Kapelle, der Verehrung des Herren-Leibs, des „vrône lîcham“, gewidmet. (Das Fest Fronleichnam, das die leibliche Gegenwart Christ in der Eucharistie feiert, war erst hundert Jahre zuvor eingeführt worden.)

Wie der Kapellenname verrät, gab es bei dem Kirchlein eine Klause, ein Wohngebäude für einen Priester oder Eremiten, denen der Gottesdienst und die Betreuung der Pilger anvertraut waren. Ihre ersten Bewohner sind sogar namentlich bekannt, da sie in dem päpstlichen Erlass Erwähnung finden: Der Bruder Diozon und der Priester Johannes de Cervo von Speyer. Beide, so heißt es in dem Schreiben, hätten sich „um die Errichtung der Kapelle am Zeiselbach durch schwere persönliche Opfer verdient gemacht“. Über ihre Nachfolger schweigen sich die Quellen aus, und schon im 17. Jahrhundert war die Klausnerwohnung nicht mehr vorhanden.

Unbekannt ist auch, wann und warum die Vierzehn Nothelfer das alte Patrozinium ablösten. In der Pfalz ist diesen Heiligen, fast alle Märtyrer und Glaubenszeugen des zweiten bis vierten Jahrhunderts, nur noch eine weitere Kirche geweiht. Von Regensburg ausgehend, verbreitete sich ihre Verehrung im Spätmittelalter vor allem im fränkischen Raum. Dort, in Vierzehnheiligen, entstand zu ihren Ehren eine der schönsten Rokokokirchen Deutschlands. Der Grund ihrer Volkstümlichkeit lag vor allem darin, dass jedem und jeder einzelnen Heiligen ein besonderer „Aufgabenbereich“ zugewiesen war. Blasius etwa wurde bei Halskrankheiten, Florian bei Feuersbrünsten und Barbara auf dem Sterbebett angefleht. Erst recht aber waren es die Krisen und die großen Pestepidemien  des ausgehenden Mittelalters, die so viele Menschen Zuflucht bei diesen himmlischen Nothelfern suchen ließ.

So begann man wohl auch in einer der zahlreichen Notzeiten, die die Pfalz trafen, von Ruppertsberg und Königsbach aus zur Klausenkapelle zu pilgern und dort die Vierzehn Nothelfer anzurufen. Alte Stiftsrechnungen belegen dies schon für das 15. Jahrhundert. Das Kirchlein hatte dann in den Kriegen des 17. Jahrhunderts selbst viel Not zu leiden: Zwei Mal wurde es im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Doch immer wieder aufgebaut, blieb die Kapelle durch die Jahrhunderte ein viel besuchtes Pilgerziel, zu dem vier Mal im Jahr die Bewohner der Umgebung in feierlicher Prozession zogen.  All dem setzten in den Jahren 1793 und 1794 die Revolutionskriege ein Ende: Preußische und französische Truppen plünderten nacheinander die Kapelle aus, missbrauchten sie als Pferdestall und Lazarett; schließlich wurden Wallfahrt und Gottesdienste von der Revolutionsbehörde verboten.

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Im Schatten hoher Kastanienbäume: Die Klausenkapelle

Ein halbes Jahrhundert blieb das Gotteshaus dem Verfall überlassen, bis Bischof Nikolaus von Weis, dem die Erneuerung der Wallfahrten ein großes Anliegen war, seine Wiederherstellung anordnete. Die Wallfahrt blühte neu auf, und als im Jahr 1864 die Instandsetzung gefeiert wurde, zogen 6000 Gläubige ins Klausental.  An einer Bittprozession im Jahr 1872 für Pius IX. sollen sogar über 20 000 Menschen teilgenommen haben: im eskalierenden Kulturkampfes des Kaiserreichs gegen die katholische Kirche wollten sie ein deutliches Zeichen der Einheit und Solidarität mit dem Papst setzen. Von solchen Zahlen lässt sich heute nur noch träumen. Dennoch ist die Klausenkapelle ein beliebtes Pilgerziel geblieben, besonders am offiziellen Wallfahrtstag, dem Sonntag vor oder nach dem Margarthenfest (20. Juli). Und vielleicht sucht auch so mancher Wanderer und Feriengast, der in dem idyllischen Waldtälchen rastet, vor dem Bild der vierzehn Heiligen „Trost in Not und Tod“, wie der Titel des alten Königsbacher Andachtsbüchleins verheißt.

Merkvers auf einer Gebetstafel aus der Barockzeit in Memmingen:

S. Blasius – bringt wegen Halsweh Fürbitt dar
S. Georgius – ist anzurufen in Kriegs-Gefahr
S. Erasimus – für Darm und Leibesschmerzen
S. Vitus – ein großer Freund der Kinder-Herzen
S. Pantaleon – Patron der Ärzten, bei Gott mächtig
S. Christoph – für Hagl und Wetter beschützt er kräftig
S. Dionysus – in Hauptweh wird gerufen an
S. Cyriacus – von Teufel Beseßnen helfen kann
S. Achatius – dem christlichen Kriegsvolk hilft er behend
S. Eustachius – Betrübniß in der Ehe abwendt
S. Ägidius – hilft zu Erkenntniß heimlicher Sünd
S. Margaretha – wo Teufelslist ein Zugang findt
S. Katharina – wenn Weisheit im Studiren mangelt
S. Barbara – im Tod die Sackrament erlangt

Der Weg

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist der Waldparkplatz direkt am Eingang zum Klausental. Von der B 271 kommend erreicht man ihn, indem man bei der Abzweigung  „Königsbach“ (nicht an der  Abfahrt „Gimmeldingen-Königsbach“!) in den Weinort hineinfährt. An der Kreuzung in der Ortsmitte folgen wir dem Schild „Wanderparkplatz“ nach rechts (Straßenname „Am Hitzpfad“), bis links die „Kapellenstraße“ abzweigt, an deren Ende der Parkplatz liegt. Von dort führt der mit den Nummern 1,2,3 und 4 markierte Weg in fünf Minuten zur Kapelle. Ist die Kapelle geschlossen, kann man an der Westseite durch ein Guckfenster einen Blick ins Innere und zum Altarbild werfen.

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Deckendekoration in der Kapelle

Mit dem Segen der Heiligenschar wenden wir uns dem nächsten Wanderziel zu: dem 496 Meter hohen Stabenberg westlich über Königsbach. Gleich hinter der Kapelle führt in anfangs südöstlicher Richtung ein Waldweg mit den Nummern 2 und 4 in einer großen Schleife die linke Talseite hoch. Eine Abkürzung bringt der weiß-rot markierte Pfad, der direkt durch den Hang führt und dann wieder auf den Waldweg trifft. Nach weiteren 500 Metern ermöglicht der rechts abzweigende Pfad mit der Nummer 2 einen kurzen Abstecher zum „Wendekreuz“: einem großen Steinkreuz auf gemauertem Sockel. Es wurde von der Gemeinde Königsbach zur Jahrhundertwende des Jahres 1900 errichtet und ist Christus, „dem unsterblichen König der Jahrhunderte“ gewidmet.

Zurück auf dem Hauptweg folgen wir weiter der Nummer vier. Auf der ersten Anhöhe weist zusätzlich ein Schild den Weg zum Stabenberg. Mäßig steigend geht es weiter, bis wir nach einer Kehre auf eine Wegespinne mit einer Schutzhütte treffen. Immer noch mit der Nummer 4 (und wieder der weiß-roten Markierung) führt der Weg nun nach rechts direkt zum Stabenberg hoch. Ihn krönt eine gemauerte Aussichtswarte, die leider nur noch nach zwei Seiten Aussicht gewährt: In nordwestlicher Richtung geht der Blick über die Rheinebene bis zum Odenwald hinüber; im Süden präsentieren sich eindrucksvoll die Stadt Neustadt und der Haardtrand mit dem Hambacher Schloss. Die Stabenbergwarte wurde 1904 als erster Aussichtsturm des zwei Jahre zuvor gegründeten Pfälzerwaldvereins errichtet. Anfangs trug sie noch einen pavillonartigen Aufbau aus Holz, der aber längst einem schmucklosen Eisengeländer gewichen ist.

Wir verlassen nun die Bergkuppe Richtung Norden (rot-weiße Markierung) und wenden uns an der nächsten Wegkreuzung nach rechts, mit dem roten Punkt als Markierung. Nach nur wenigen Metern kommt eine weitere Verzweigung, wo wir uns wieder rechts halten (roter Punkt, Richtung Deidesheim). Der Pfad trifft in einer Kehre auf einen Forstweg, auf dem wir bis zur nächsten Kreuzung bleiben. Hier geht es nach links, dem etwas verblassten weißen Punkt nach, in den Anfangsgrund des Kupferbrunner Tals. Dort treffen wir auf eine abwärts führende Forststraße mit weiß-blauer Markierung, die uns nach etwa einem Kilometer zur Waldschenke Deidesheim (Mühltalhütte) bringt. Nach der verdienten Rast sind es nur noch wenige hundert Meter bis zum Talausgang (weiß-blaue und blau-gelbe Markierung). Unmittelbar vorm Parkplatz am Waldrand biegen wir rechts ab und folgen dem Wanderweg Deutscher Weinpfad (auch mit rotem Balken markiert), der uns an der Ausflugsgaststätte „Pfalzblick“ vorbei wieder nach Königsbach und durch die Kapellenstraße zum  Auto zurückbringt.

Kartenansicht der Wegstrecke

Karte

Hinweise:

Gesamtwegstrecke: knapp zehn Kilometer
Öffnungszeiten der Kapelle: März bis Oktober sonntags 10 bis 18 Uhr. Ist die Kapelle geschlossen, kann man an der Westseite durch ein Guckfenster einen Blick ins Innere und zum Altarbild werfen.

Einkehrmöglichkeiten:
Öffnungszeiten der Waldschenke Deidesheim: täglich außer Mo. Di. Fr. http://www.waldschenke-deidesheim.de/index.html).

Weitere Sehenswürdigkeiten:
Nicht versäumen sollte man den Besuch der Kirche von Königsbach mit ihrem spätmittelalterlichen Altarbild, das an den Passionsaltar in der Alsterweilerer Kapelle in Maikammer erinnert.

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Passionsaltar in der Kirche von Königsbach

Download der Druckfassung (PDF)

Download der kompletten Serie (EPUB-Format) / (AZW3-Format)

©  Text und Fotos: Richard Schultz

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